September 2026

Das Ende der billigen Liquidität

Warum der Mittelstand stärker auf gebundenes Kapital achten muss

Die neue Zinsrealität ist an den Märkten längst eingepreist. In den Bilanzen vieler mittelständischer Unternehmen kommt ihre eigentliche Konsequenz aber erst jetzt an: Kapital hat wieder einen Preis – und damit auch jedes Vermögensgut, das Liquidität langfristig bindet.

Über viele Jahre wurde Investitionsfähigkeit vor allem als Finanzierungsfrage verstanden. 2026 greift diese Perspektive zu kurz. Entscheidend wird zunehmend, wie viel Kapital ein Unternehmen überhaupt in Maschinen oder Produktionsanlagen binden muss, und wie viel finanzielle Beweglichkeit danach verbleibt.

Die jüngsten Daten zeigen, warum. Laut der KfW-Unternehmensbefragung 2026 beurteilen nur noch 24 % der Unternehmen den Kreditzugang als leicht; während 26 % ihn als schwierig empfinden. Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 1 Mio. Euro sind es sogar 33 %. Unter den Unternehmen, die von zunehmenden Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme berichten, nennen 77 % höhere Anforderungen an Sicherheiten, 76 % strengere Bonitätsanforderungen und 72 % gestiegene Zinsen. Auch die EZB meldete im zweiten Quartal 2026 eine weitere moderate Verschärfung der Kreditstandards für Unternehmen im Euroraum.

Hinzu kommt: Die finanzielle Ausgangslage wird anspruchsvoller. Die KfW-Unternehmensbefragung zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung der Eigenkapitalquote gegenüber 2024 von 21 auf 28 % gestiegen ist. Gleichzeitig erreicht die Wahrscheinlichkeit einer Verbesserung mit 31 % den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung. Das KfW-Mittelstandspanel weist zudem einen Zinsaufwand auf dem höchsten Stand seit 2014 aus.

Der Mittelstand kann sich Investitionszurückhaltung kaum leisten. Kapitalbindung allerdings ebenso wenig. Investitionen in Automatisierung, Energieeffizienz, Digitalisierung und moderne Produktionskapazitäten sind weiterhin notwendig. Die eigentliche Frage lautet deshalb: Wie viel Liquidität darf dafür dauerhaft im Anlagevermögen stecken? Und damit wird aus einer Finanzierungsfrage zunehmend eine Eigentumsfrage. Für den Betrieb zählt die Nutzung einer Maschine. Für die Liquidität zählt, wem sie gehört.

Leasing kann neue Investitionen ermöglichen, ohne dass vorhandene Liquidität in gleichem Maß dauerhaft im Anlagevermögen gebunden wird. Noch unmittelbarer wird dieser Zusammenhang beim Sale-and-Lease-Back. Dabei verkauft ein Unternehmen bereits vorhandene Maschinen, Produktionsanlagen oder andere werthaltige Assets an einen Finanzierungspartner und least sie anschließend zurück. Die betriebliche Nutzung bleibt unverändert bestehen und das zuvor gebundene Kapital wird wieder frei verfügbar.

Je enger der Kreditzugang ist, desto wertvoller wird diese zusätzliche Liquiditätsquelle. Unternehmen können so Liquidität aus der eigenen Bilanz heben, ohne für die Mittelbeschaffung zwingend zusätzliche klassische Bankkredite aufnehmen zu müssen. Entscheidend ist allerdings auch hier nicht das Instrument an sich, sondern die Verwendung des freigesetzten Spielraums, beispielsweise für Working Capital, Transformation, Akquisitionen oder neue Investitionen.

Die Ära der billigen Liquidität mag geldpolitisch zwar teilweise hinter uns liegen. Unternehmerisch beginnt ihre Aufarbeitung jedoch erst jetzt. Wer Liquidität als knappe strategische Ressource versteht, gewinnt dadurch nicht nur Finanzierungsspielraum, sondern auch Handlungsfähigkeit.


Clemens Fritzen

Geschäftsführer

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